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Die Zeit von Favre ist abgelaufen

Es ist der 28. Spieltag der Bundesliga-Saison 2019/2020. Die Borussia aus Dortmund empfängt die Bayern. Der Verfolger trifft auf den Serienmeister an der Tabellenspitze.

Die Zeit von Favre ist abgelaufen

Das Spiel entscheidet darüber, ob die Meisterschaft vorentschieden ist oder sich die Fußball-Fans in Deutschland auf eine spannende Saisonendphase freuen dürfen. Eben das klassische 6-Punkte-Spiel. Wächst der Vorsprung von 4 auf 7 oder trennt den BVB am Ende nur noch ein Pünktchen von der Tabellenspitze.

In einem Spiel auf Augenhöhe verliert Dortmund am Ende knapp aber auch verdient mit 0:1. Kimmichs Lupfer entschied das Spiel bereits kurz vor der Pause. Mit Blick auf den bisherigen Spielverlauf war es unwahrscheinlich, dass der BVB noch einmal zurückkommt.

Doch wo liegen die Gründe, dass die Dortmunder gegen die Bayern kaum mehr Land sehen, obwohl sie durchaus die Möglichkeiten hätten, die Münchener zu schlagen?

Meine Antwort: Lucien Favre. Ihm fehlt der Mut, seine Mannschaft auch in einem Topspiel nach vorne spielen zu lassen. Das was den BVB auszeichnet, dass was er besonders gut kann. Vielmehr igeln sich die Dortmunder gegen die Bayern mit zunehmender Spielzeit in der eigenen Hälfte ein und überlassen denen das Spiel. Aussichtsreiche Konter scheitern, weil man sich nach Ballgewinnen nur sehr Verhalten nach vorne bewegt - aus Angst das ein Ballverlust direkt bestraft wird. In der Folge fehlen Anspielstationen und es ergeben sich schnell Überzahlsituationen für die Bayern.

Dabei beginnt der BVB insbesondere die Heimspiele gegen die Bayern noch mutig. So auch am vergangenen Dienstag. Die ersten 10 Minuten gehörten den Borussen - die zunächst wacher wirkten. Man suchte wie üblich das schnelle Tor, mit dem Ziel die Bayern unter Druck zu setzen und aus der Reserve zu locken. Gelingt dies allerdings nicht, hat Favre augenscheinlich keinen Plan B.

Anstatt mit dem unbedingten Willen, dass Spiel um jeden Preis gewinnen zu wollen, in die Partie zu gehen, hat man eher den Eindruck, dass er Angst vor einer Abreibung hat. Er versucht lieber mit einer vorsichtigen Einstellung und einer knappen Niederlage das Gesicht zu wahren, als im Zweifel - wie in der Vorsaison - deutlich auseinandergenommen zu werden. So gewinnt man jedoch keine Titel.

Und der war, im Gegensatz zu den vorherigen Saisons, das ausgerufene Saisonziel. Man hat sich am Anfang der Saison erstmals aus der Deckung getraut und hierfür durchaus auch nachvollziehbare Gründe gehabt: Die Bayern befinden sich in einem Umbruch und sind nicht mehr unantastbar. Wenn man seine Hausaufgaben macht, ist der Titel ohne Frage möglich. Das war er bereits letzte Saison, als man einen Vorsprung von 9(!) Punkten verspielt hat.

Das Aus im DFB-Pokal gegen Werder-Bremen, dass Aus in der Champions League nach einem respektablen Hinspiel gegen PSG und nun die wahrscheinlich entscheidende Niederlage und Vorentscheidung in der Meisterschaft. Der Zug ist abgefahren und es scheint mehr als unwahrscheinlich, dass Favre seinen Vertrag in Dortmund erfüllen wird.

Bereits im Winter gab es einige Gerüchte, dass der BVB sich bereits nach einen Nachfolger umschaut. Verschiedene Namen machten die Runde. Diese Gerüchte hat Favre mit seinen Aussagen in der PK unmittelbar nach den Bayern-Spiel selbst wieder angeheizt. Auch wenn er am nächsten Tag zurückruderte und bekundete, dass er seinen Vertrag erfüllen wird, mag man den Aussagen kaum Glauben schenken.

Selbstverständlich tun Zorc und Watzke gut daran, ihren Trainer in der aktuellen Phase der Saison öffentlich den Rücken zu stärken und jegliche Diskussionen im Keim zu ersticken. Eine Trainerdiskussion kann man aktuell nicht gebrauchen. Es gilt die direkte Qualifikation für die Champions League zu sichern. Die Konkurrenz aus Leverkusen, Mönchengladbach und Leipzig klebt am Heckflügel und scharrt mit den Hufen.

Auch wenn die Meisterschaft wohl schon entschieden ist, dürfen wir uns zumindest auf einen spannenden Kampf um die Champions League freuen.