Stöger der Anti-Bosz für die Zukunft?

Als Tuchel entlassen worden ist, war ich enttäuscht und wütend. Als Bosz kam, hoffte ich auf eine Art Revival des Klopp-Fußballs. Doch was ich bekam, war Kamikaze. Stöger hat damit Schluss gemacht. Kein Selbstmord-Fußball mehr. Stabilität ist die Devise.

BVB-Abschlussjubel in Gladbach

Keine Frage. Stögers Bilanz (8 Spiele, 5 Siege, 3 Remis) täuscht ein ein wenig. Noch lange nicht ist der BVB wirklich gefestigt. Die Spiele sind eng und gerade in Gladbach hätte man sich über ein Unentschieden echt nicht beschweren können. Aber hier sind wir: Spiele wie gestern hätte der BVB unter Bosz vermutlich tatsächlich Haushoch verloren. Die Abwehr wirkt durchaus stabiler. Gerade Piszczeks Rückkehr war da sicher enorm wichtig. Auch Akanji konnte sich in seinen zwei Bundesliga-Auftritten sehr gut einbringen.

Man darf zudem nicht vergessen: Man hat noch immer Verletzungsprobleme. Gerade im Mittelfeld. Götze ist nach seiner Stoffwechselerkrankung konditionell nachwievor nicht bei 100%. Wenig hilfreich sind da sicher auch seine Blessuren. Auch Reus sollte man eigentlich schonender in den Spielbetrieb einbringen. Das er jetzt innerhalb von 8 Tagen 3 Partien bestreiten muss war mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geplant. Doch Alternativen gibt es nicht: Pulisic hängt im Formtief. Yarmolenko, Philipp und Sancho sind verletzt. Isak für den Flügel keine Option. Wenn dann wie gegen Atalanta und M'gladbach auch noch Kagawa ausfällt bleiben da nicht viele Varianten

Mit Stöger in die Zukunft?

So bleibt für den Moment ein mögliches Fazit: Stöger macht seine Arbeit und die macht er unter den gegebenen Rahmenbedingungen ordentlich. Doch ist das genug um langfristig bleiben zu dürfen?

Für mich persönlich bleibt die Baustelle auf der Trainerbank bestehen. Ich sehe Stöger nicht langfristig als Ideallösung. Eventuell kan man über ein weiteres Überbrückungsjahr reden, wenn der favorisierte Nagelsmann im Sommer nachwievor nicht zur Verfügung steht, weil Hoffenheim auf eine Ablöse pocht, die man nicht aufbringen möchte. Für mich wäre er die Ideallösung.

Mission Sucht van Bommel

Eine klare Baustelle gibt es allerdings im Kader. Jetzt mal die Tatsache ausgeblendet, dass wir weiterhin nach einen neuen Stürmer suchen müssen (auch wenn ich Batshuayi gerne langfristig verpflichten würde, glaube ich nicht daran, dass mir Aki und Susi den gefallen tun) brauchen wir endlich einen Abräumer im Mittelfeld. Weigl macht das zeitweise ganz ordentlich, doch fehlt ihm schlicht die Physis. Das reicht nicht um die Innenverteidigung zu entlasten.

Was dem BVB im Mittelfeld ziemlich deutlich fehlt ist ein Manni. Der Abgang von Bender war nicht nur menschlich schwer zu verkraften, er war vor allem auch sportlich nicht nachvollziehbar. Natürlich ist er verletzungsanfällig. Aber er ist ein Spielertyp, die man im Kader brauch. Rode sitzt seit seinem Wechsel zu uns ja ohnehin mehr beim Arzt auf der Liege, als bei uns auf der Bank.

So muss im Sommer ein "Kämpfer" her. Ein Samurai, der den offensiv-kreativen Spielern den Rücken freihält und dafür sorgt, dass die Defensive besser funktioniert. Daran ist Bosz' Fußball vorwiegend gescheitert. Das hätte man vorhersehen können. Auch, dass Bosz nun einmal nicht dafür bekannt ist, einen Plan B, C oder D zu haben. Den Trainer mit den 200 Plänen in der Tasche haben wir nachdem Pokalerfolg ja entlassen...

Im Sommer müssen endlich die Baustellen geschlossen werden, die man sich über die Jahre selbst geschaffen hat und die man im vergangenen Sommer nicht schließen konnte. Wenn es sein muss, gern auch mit Stöger.

Show Comments